Gedicht - Posaunenmusik in Dittersbach

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Gedicht

Geschichte
In unseren Unterlagen findet sich auch ein Gedicht von Albrecht Gühne (Pfarrer bis 1982 in Dittersbach und in dieser Eigenschaft Wegbereiter des Posaunenchores) anlässlich des 25jährigen Posaunenchorjubiläums im Jahre 1989, dass ich Euch nicht gern vorenthalten möchte:


"Zum 25. Jubiläum des Posaunenchores Dittersbach-Dürrröhrsdorf-Wilschdorf (um einmal alle Orte zu nennen, damit die kleinlichen Rangstreitigkeiten endlich aufhören, die sowieso immer sinnlos waren, da Dittersbach nach wie vor der kulturelle Höhe-, Mittel-, und auch sonstige Punkt ist) einer überaus dankbaren Hörergemeinde vorgetragen:


Im Auf und Ab von Chronos´ Launen
ertönten hier im Ort Posaunen.
Sie brausten laut mit hellem Schalle
und ergötzten jeweils alle,
die in dieser Kirche saßen
oder draußen Broiler aßen.
Ohne Blick auf hohe Löhne
bliesen massenweis` sie Töne
und begleiteten manch Sing-Sang
unter der Leitung ihres Wolfgang,
förderten auch durch ihr Blasen sehr
den grenzüberschreitenden Reiseverkehr,
denn bei des Chores hohen Festen
sieht man oft Autos aus dem Westen.
Kaum ist nun dieser Satz verklungen,
erscheinen die Erinnerungen:
Als wir einst zogen durch sächsischen Forst,
brach fast zusammen der Bruning Horst,
der den Bergen der richtigen Sachsen
mit seinem niedersachs´ Herz nicht gewachsen.
Auch denke ich an Herleshausen:
Der Horst tat um sein Auto sausen
und streckte erregt von sich alle Viere:
"Das Auto ist da, doch nicht die Papiere!"
Auf meinem Wege von der Wiege zur Bahre
war ich in Dittersbach zwölf lange Jahre.
1969 wurde ich in Dittersbach fündig,
Gerd Mittag war damals noch entsetzlich kindisch.
Im Wohnzimmer hörte ich nun jede Woche die Übungsweisen
um den Herrn über Leben und Tod zu preisen
und merkte, wenn diese Weisen erklangen:
Auch falsche Töne schmieden Herzen zusammen.
Ob zu Hochzeiten, Weihnachten, Jahreswende
immer waren sie da, die damals noch jungen Talente.
Denk ich an Weihnachten in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht,
denn als die Nacht ward am stillsten, o Graus,
gingen im Turm alle Lampen aus.
Die Trompete, die sonst schmettert so keck
schluchzte nur: Der Retter ist da, doch der Strom ist weg.
Doch am schönsten waren mit unseren zarten
Mädchen die jährlichen Chorausfahrten.


 

Als wir in Oelsen saßen in froher Runde,
verbreitete sich plötzlich die entsetzliche Kunde,
dass, um unsere Herzen zu laben,
kein Tropfen Bier mehr war zu haben.
Bei dem darauf erfolgenden Grenzübergang
ins nahe Böhmen ward mir etwas bang,
denn Gerd Mittag mit fröhlichem Sinn
hielt dem Zoll gesammelte "schwarze" Kronen hin.
Auch in Crostau hatte Gerd, dieser nette

Knabe eine prachtvolle Kassette,
die unaufhörlich leierte
und Seemannslieder kreierte,
bis die Mädchen aus ihrem warmen Nest
aufschrien in leidenschaftlichem Protest:
Wir leben hier in einer Kammer,
stell ab diesen grässlichen Katzenjammer.
Einst bei der Hochzeit von Kanaan
fing Jesus mit dem Tun seiner Wunder an,
und wandelte aus Wasser, klar und rein,
köstlich mundenden Hochzeitswein.
Ein Abglanz von solchen Wundertaten
kann auch einem Pfarrer geraten.
Roland auf dem Framo wurde immer blasser,
denn statt des erhofften Bieres trank er Wasser.
Das Wasser war wirklich rein und klar,
doch des Pfarrers Frontscheibe war in Gefahr.
So wäre hier noch viel zu erzählen,
von euch frommen und tüchtigen Seelen.
Von Bernd Heinrich, der in kurzer Frist
wurde Physiker und Quandt-Spezialist.
Von Stefan, der jedes Radio und sei es noch so kapott
in kürzester Zeit machte wieder flott.
Von Angela und Martina, den reizenden Mädchen,
von Mathias, dem langen Kerl auf kleinen Rädchen.
Doch so recht ist dieser Gesang erst in Butter,
wenn wir gedenken des Chores Mutter.
Denn ihrer stillen und sanften Art ist´s zu danken,
dass Wolfgang immer wieder jeden Gedanken
des Chores Arbeit aufzugeben
verbannte aus seinem Künstlerleben.
Drum vernehmt diese Weisheit aus meinem Munde:
Die Triebkräfte wirken im Hintergrunde.
In diesem Sinne ermahne ich Euch:
Blast und bleibt immer fruchtbar und mehret Euch!"

(Es folgt die Kontonummer des Autors)


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